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| Hochschulnews

Zweite Liga, erste Liebe

Heute startet die 1. Fußball-Bundesliga. Grund genug für Prof. Dr. Marcus Bölz, noch einmal auf seine Liebe zur 2. Bundesliga hinzuweisen. Prof. Dr. Marcus Bölz lehrt an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) in den Medien- & Kommunikationsstudiengängen und ist Leiter des Instituts für Sportkommunikation (IfS). Er sitzt in Berlin.

Endlich wieder Bundesliga: Heute also Bayern gegen Leipzig. Der Ball rollt, die Phrasen auch, und irgendwo in der Regiekabine lacht ein Algorithmus. Fußball im Oberhaus ist zurück. Wir sind aber gerade begeistert von der zweiten Liga. Denn was da seit dem 1. August wieder über die Bildschirme flimmert, riecht nicht nach Provinz, sondern nach Pathos. Nach Schalke, Hertha, Hannover, Lautern, Nürnberg, Bielefeld – Traditionsvereine, wohin das Auge reicht. Es ist, als hätte man die Bundesliga in den 90ern eingefroren und jetzt in der Mikrowelle der Fernsehgelder wieder aufgetaut.

Doch Vorsicht: Nostalgie ist ein schlechter Taktgeber. Die zweite Liga ist kein Museum, sondern ein Haifischbecken mit Flutlicht. Und wer glaubt, dass allein der Name auf dem Trikot reicht, um aufzusteigen, der hat vermutlich auch geglaubt, dass der BER pünktlich fertig wird.

Und was macht Arminia Bielefeld? Der Aufsteiger, der sich im vergangenen Jahr nicht nur zurück in die Liga gekämpft hat, sondern auch – man glaubt es kaum – ins DFB-Pokalfinale gestürmt ist. Gegen alle Wahrscheinlichkeit, gegen alle Statistiken, gegen alle Kommentatoren, die sich bei „Bielefeld“ reflexartig an die Verschwörungstheorie erinnern. Doch die Arminia lebt. Und wie. Sie ist quicklebendig. Und schon wieder Tabellenführer. Was darf man also erwarten? Euphorie, ja. Irgendwann aber auch: Überforderung. Denn die zweite Liga ist kein Ort für Märchen, sondern für Montagabendspiele in Elversberg. Die Arminia wird kämpfen müssen – gegen die eigene Erwartung, gegen die defensive Dreierkette von Fürth und gegen die Tatsache, dass man sich von Pokalglanz nichts kaufen kann, außer vielleicht ein paar Tausend mehr Zuschauer gegen Magdeburg.

Und dann ist da Hannover 96. Der Verein, der seit Jahren so tut, als sei er auf dem Sprung – aber nie wirklich abspringt. Ein bisschen wie ein Hochspringer mit Höhenangst. Die Mannschaft ist solide, der Etat ordentlich, das Stadion groß – und doch bleibt alles irgendwie… mittel. Man hat das Gefühl, Hannover will aufsteigen, aber bitte ohne Stress. Ohne Drama. Ohne Schweiß.

Doch so funktioniert diese Liga nicht. Wer hier hoch will, muss sich durchbeißen. Muss in Paderborn gewinnen, in Kiel bestehen und in Kaiserslautern nicht einknicken. Ob Hannover das kann? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Es ist wie jedes Jahr: Man wartet auf den Moment, in dem 96 plötzlich doch wieder Fünfter ist – und man sich fragt, wie das eigentlich passieren konnte.

Die große Frage dieser Saison lautet: Wird die Spannung so hoch wie im Vorjahr? Die Antwort: Sie wird anders. Vielleicht nicht dramatischer, aber dichter. Denn wenn so viele Traditionsvereine aufeinandertreffen, dann geht es nicht nur um Punkte, sondern um Prestige. Um Geschichte. Um die Frage, wer hier eigentlich wem was beweisen muss.

Die zweite Liga 2025/26 ist ein Panoptikum des deutschen Fußballs: Hier trifft der abgestürzte Riese auf den aufmüpfigen Dorfklub, der Pokalfinalist auf den Relegationsverlierer, der Aufsteiger auf den Absteiger, der Träumer auf den Taktiker. Es ist ein Theater der Eitelkeiten, der Emotionen, der Enttäuschungen. Und genau deshalb lieben wir es. Hier wird noch geschrien, gezittert, gezweifelt. Hier riecht der Fußball noch nach Bratwurst und Bier, nicht nach Business und Branding.

Wer aufsteigen will, muss leiden. Und wer glaubt, dass Tradition ein Freifahrtschein ist, der wird auch dieses Jahr wieder eines Besseren belehrt. Frag nach bei der Hertha in Berlin. Die zweite Liga ist kein Kurort für gefallene Erstligisten, sondern ein Prüfstein für Charakter, Kampfgeist und Kaltschnäuzigkeit. Arminia Bielefeld wird kämpfen müssen, Hannover 96 wird sich endlich entscheiden müssen – und wir Zuschauer? Wir dürfen uns freuen. Auf eine Saison voller Geschichten, voller Scheitern, voller Siege. Auf Hertha als taumelnden Riesen der Hauptstadt. Und Schalke 04 zwischen Wahn und Würstchenbude? Wir werden es sehen.

Willkommen zurück, zweite Liga. Du bist nicht die Erste. Aber du bist auch sehr schön.

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